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In unserem Online-Ratgeber starten wir mit einem zunächst scheinbar selbstverständlichen Thema:
Gitarrensaiten wechseln bzw. das richtige aufziehen.
Es zeigt sich im Werkstattbetrieb häufig, dass sich viele Probleme bzgl. Stimmstabilität oft aus falsch oder nicht perfekt aufgezogenen Saiten ergeben. In diesem Sinne kann es also selbst für erfahrene Gitarristen und Bassisten entscheidend sein auch hier noch ein paar Details zu berücksichtigen.

Da das Thema im Großen und Ganzen bekannt ist,  beschränken wir uns hier auf die entscheidenden Details und versuchen dabei Bässe und Gitarren gleichermaßen zu berücksichtigen.

Die Gitarrrensaite auf die richtige Länge kürzen

Gitarrensaiten-aufziehen-01Das Kürzen der Saiten ist für Gitarren und Bässe gleichermaßen anwendbar. Man braucht sich dabei nur eine für sich ideale „Faustformel“ zu entwickeln. Als Anreiz bieten wir hier die 3-Finger-Regel an. Wer sich für die Breite von 3 Fingern hinter der Mechanik entscheidet, wird recht genau 2-3 vollständige Umdrehungen auf der Mechanik schaffen. Das ist auch schon das ideale Wickelmaß.


Saiten richtig aufziehen

Hier Unterscheiden sich Bässe und Gitarren maßgeblich. Bei Bässen wird die Saite von oben in die Mechanik gesteckt und abgeknickt. Danach kann sie einfach aufgewickelt und gestimmt werden.


Bei Gitarren wird die Saite durch die Mechanik gefädelt und dann Z-Förmig abgeknickt. ACHTUNG: Es gibt Gitarren mit geschlitzten Mechaniken – diese funktionieren genau wie Bass-Mechaniken.
Die umsponnenen Saiten werden dann ebenfalls einfach aufgewickelt, wobei eine Wicklung über dem Saitenende verläuft, alle anderen darunter.

Während beim Bass alle Saiten mit dem gleichen Prinzip aufgezogen werden können, muss bei den nicht umsponnenen Saiten der Gitarre ein anderes Verfahren angewendet werden – die umsponnenen Saiten hemmen sich selbst, die glatten Diskantsaiten gleiten jedoch wesentlich leichter durch die Mechanik. Hier werden wir euch eine für uns bewährte Methode mit einer einfachen Selbsthemmung vorstellen. Die Saite wird ebenfalls durch die Mechanik gefädelt und zunächst Z-Förmig abgeknickt. Dann wird das Saitenende unter der Saite durchgeführt und nach oben abgeknickt. Anschließend kann die Saite aufgewickelt werden. Für die ideale Saitenlänge wird im 12. Bund die rechte Faust mit aufgelegtem Daumen unter die Saiten aufgelegt. Was jetzt an Saitenlänge bis zur Mechanik übrig bleibt, kann auf die Mechanik aufgewickelt werden.

Die Saiten können nun vorgestimmt werden. Anschließend erfolgt die Feinjustierung.


Feinjustierung

Bei der Feinjustierung wird die Saite an alle Stellen angepasst, an denen sie im Hardwaresystem Abgeknickt wird. Das ist notwendig, weil die Saiten sonst große Biegeradien werfen, die während des Spielens federn und damit die fertig gestimmte Gitarre verstimmen.
Die üblichen Stellen für den Biegeradius der Saite findet ihr im Bereich des Sattels, an der Brücke, sowie zwischen Mechanik und Sattel. Bei Bässen sind diese Radien besonders gut erkennbar, aber auch bei Gitarren treten diese typischen Stellen auf und sollten an den gleichen Stellen entfernt werden. Nachfolgende Bilder gelten daher für beide Instrumententypen.


Mit dezentem Druck in die Gegenrichtung, können diese Radien aus den Saiten entfernt werden.

Der Saitenverlauf ist nun deutlich gerader.

Nach dem Herausdrücken der Biegeradien wird das Instrument erneut sauber gestimmt. Abschließend werden die Saiten im Bereich des Ballends, sowie die Wicklungen auf den Mechaniken komprimiert. Dafür wird jede Saite gezogen. Hier gehört nun etwas Fingerspitzengefühl dazu, da der Zug zum Komprimieren ausreichend stark sein muss, die Saite aber auch nicht zerreißen darf. Wer sich das Ziehen nicht zutraut, kann auch mit mehrfachen, starken Bendings eine Kompression erreichen.

Das Saitenziehen kann sowohl beim Aufziehen der Einzelsaiten gemacht werden oder abschließend, wenn alle Saiten bereits aufgezogen sind. Man sollte ca. 2-3 Mal ziehen und nach jedem Ziehen die Saiten stimmen.

Das Instrument ist nun spielfertig und sollte sich deutlich weniger verstimmen.  Für Gitarren mit Tremolo oder einem Spielstil mit häufigen Bendings empfehlen wir zusätzlich die Verwendung von unserem Rock Guitar’s Hospital – Graphitfett an Sattel und Brücke zum Schmieren der kritischen Reibungspunkte.

Sollte sich die Stimmstabilität Deines Instruments dennoch nicht verbessert haben, lohnt eventuell eine technische Beratung von unserem Werkstatt-Team.

Euer Rock Guitar’s Hospital